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get up, stand up

Bus, Bahn, Auto sind die klassischen Fortbewegungsmittel für Städtereisende – also nichts für Sportsfreunde. Sie bleiben entweder gleich zu Hause oder radelten querfeldein ins Grüne. Bei Stadterkundungen via Stand-up-Paddling kommen die sportlichen Abenteuertouristen voll auf ihre Kosten – Risiko inklusive.

Foto: David Goltz

Foto: David Goltz

Schwarzer Neoprenanzug, Neoprenschuhe und ein endlos langes Paddel – Henning Weiss sieht aus, als stünde er im kalifornischen Santa Barbara. Auch wenn die Sonne vom blauen Himmel scheint, im Mekka der Mittagspausensurfer befindet sich Weiss nicht. Er steht mitten in der Hamburger Hafencity zwischen den zahlreichen neuen Bürogebäude aus Edelstahl und Glas. Und irgendwo in der Ferne sieht man die antiken, roten Backsteingebäude der alten Speicherstadt. Daher die Frage: Wo will der Geschäftsführer des „25 Hours Hotel“ in diesem Aufzug hin? Zum Businessmeeting? „Nein“, lacht er, und deutet auf den Mann hinter ihm, der ebenfalls komplett in Neopren gekleidet hinter ihm steht. „Mein Gast will sich Hamburg ansehen.“ Auch hierfür scheint das Outfit nicht sonderlich praktisch – oder doch? Stand-up-Paddling, kurz SUP, heißt die Fortbewegungsart, mit der Weiss und sein Gast durch die City cruisen – und dafür ist eine wärmende Kleidung unerlässlich. Denn selbst wer die neue Sportart beherrscht, eine großen Bugwelle eines vorbeifahrenden Containerschiffs könnte selbst Profis vom Brett stoßen. Gepaddelt wird aufrecht stehend auf dem Surfbrett. Ähnlich wie beim Kanadierfahren hat der Sportler ein Stechpaddel in der Hand, sticht dies auf Körperhöhe seitlich neben dem Surfbrett ins Wasser ein , zieht es nach hinten durch und erzeugt so Vortrieb. Um nicht im Kreis zu fahren und nur Vortrieb von einer Seite zu erzeugen, muss das Paddler regelmäßig die Seite wechseln.

Foto: David Goltz

Foto: David Goltz

Links, rechts, links – Weiss bewegt sich langsam vom Steg weg hinaus ins Hamburger Hafenbecken. „Es ist ein bisschen ausgeflippt und mal etwas ganz anderes als Fahrradfahren“, sagt er, und paddelt lässig weiter. Hinter ihm sein Hotelgast, der das besondere Sightseeing-Angbeot des neu eröffneten Hotels kennen lernt – und sich erstaunlich gut auf dem Brett macht. Entspannt cool hält er die Balance und steuert das Surfbrett unter seinen Füßen mit Hilfe des langen Paddels durch die schmalen Kanäle. Er kommt erstaunlich schnell voran und überholt sogar einen Wanderkanufahrer.

„Achtung, Welle“, ruft Weiss. Ein Barkasse voll mit Touristen tuckert durch die Hafencity. Welle rechts, Dampfer links und über den Köpfen Möwengeschrei. In den die dunklen Schluchten der alten Speicherstadt wird die Stadtkulisse zum gefährlichen Riff, der Stand-up-Paddler zum einsamen Seemann. Dass sich ihre bevorzugte Fortbewegungsart zum Sightseeing wird, haben sich die polynesischen Fischer wohl kaum gedacht. In den 1950er Jahren bewegten sie bereits stehend auf ihren flachen Ein-Mann-Kanu vor Tahitis Küste und hatten so Überblick über ihre potentielle Beute Seitdem sich in Hawaii und Kalifornien wie der Extremsurfer Laird Hamilton mit einem Paddel in den Händen unter einer Monsterwelle surfte, mutierte SUP zu der neuen Wassersportart – und zu einem weiteren Exportartikel aus Hawaii. Inzwischen stehen nicht nur coole Surferboys auf den Bretter, sondern auch sportbegeisterte Touristen. „Das Schöne am SUP ist: Es lässt sich leicht erlernen, ist entspannt und eröffnet eine neue Perspektive auf die Stadt“, sagt Weiss, der als begeisterter Wassersportler seinen Hotelgästen den SUP als kostenloses Sightseeing-Highlight anbietet – Kenterrisiko inklusive.

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