LA BELLA MACCHINA

Zürich, im Winter. Es ist kalt. Das Thermometer zeigt minus 5 Grad, der nasse Asphalt glitzert in der Sonne der Seestraße, die Berge im Hintergrund sind schneebedeckt. Mit einem Espresso in einem Straßencafé am Bellevue sitzend, lasse ich die letzten 24 Stunden Revue passieren. Vierundzwanzig Stunden, die meine Einschätzung über italienische Sportwagen komplett auf den Kopf gestellt haben. Ob ich gerne einen Ferrari fahren möchte? Si. Ob ich damit einen kleinen Roadtrip machen möchte? Si, si! Der rassige Wagen – vorne klassisches Coupé, hinten kurz und kompakt – ist wohl der untypischste Ferrari aller Zeiten und zugleich Sinnbild für die kreative Entwicklung, die Ferrari in den letzten Jahren gemacht hat. Ein Traum geht in Erfüllung: Ein dunkelblauer, tailor made Sportwagentraum mit 660 Pferdestärken aus einem 6,2 Liter großen V12. Power ohne Ende. Und dieser Sound! Der Ferrari Four Four (vier Sitze, vier angetriebene Räder), kurz Ferrari FF, glänzt mit wohlbekannter Ferraristimme, die jeden wahren Autofan dahinschmelzen lässt. Der von Pininfarina entworfene Ferrari FF hat die Form eines Shooting Brake, die sich fast organisch mit der Natur vereint: Die Front wird von einem schmalen, vergitterten Kühler bestimmt, während die Scheinwerfer schlitzförmig nach hinten streben. Eher bullig daher wirkt hingegen das Heck mit den kleinen Rundleuchten und den zwei Doppelauspuffrohren.

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Sobald man den Knopf mit der Aufschrift „Engine Start“ gedrückt hat, öffnen sich dem Fahrer Schleusen der Begeisterung. Schnöde Technologie geht in Kunst über, während sich der 660 PS starke Motor warm läuft. Im Interieur fällt der Blick unwillkürlich auf das Lenkrad und die Instrumentierung, die direkt von der Formel 1 inspiriert sind. Am Lenker prangt das berühmte Manettino, ein kleiner Drehhebel, mit dem sich die verschiedenen Fahrmodi wählen lassen. Das Volant ist griffig wie bei einem Rennauto. Ein Stoß auf das Gaspedal reicht und der FF wird zu dem Biest, das man von Ferrari erwartet. Während der Motor faucht, lässt sich der erste Viersitzer aus dem Hause Maranello mit 335 km/h Spitze geschmeidig auf die Hauptstraße einfädeln. Er fährt sich fast wie im Schlaf. Keine Spur von den alten Star-Allüren, für die Ferrari einst berühmt war. Wir fahren in den Schnee mit Blick auf die Berge. Mit fester Hand lässt sich der alles andere als leichte Zwölf-Zylinder spielend in der Spur der Gebirgspässe halten: Der elegante Italiener ist so gut ausbalanciert und fein abgestimmt, dass der FF mit nahezu magnetischer Kraft auf dem Asphalt der schneebedeckten Bergstraßen haftet. Einige Winkelgrade mehr am Fußgelenk – und das Geschoss zeigt sein wahres Gesicht, unter einer beeindruckenden Klangkulisse. Ferrari ging bei der Entwicklung des FFs besondere Wege. Der 4×4 schafft es in atemberaubenden 3, 7 Sekunden von null auf hundert – und ist somit der erste Allrad-Sportwagen der Automobilgeschichte: Die Kraft des Motors wird mit einem System, das sich 4RM nennt und rund um die Hälfte leichter ist als konventionelle Allradsysteme, von einem Siebengang-Schaltgetriebe auf alle vier Räder geleitet. Nie zuvor waren 660 PS so kontrolliert zu verwalten. Traktion im Überfluss und dabei bleibt der Viersitzer spielerisch kontrollierbar.

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Der rasante Viersitzer überzeugt aber nicht nur mit italienischem Charme, auch die inneren Werte können sich sehen lassen. Der Nachfolger des Ferrari 612 Saglietti ist halb Sportwagen, halb Luxuslimousine: Vier vollwertige und komfortable Sitzgelegenheiten sowie ein Gepäckraum von 800 Litern verschaffen dem schnittigen Supersportwagen echte Langstrecken-Qualitäten. Zu zweit sind schnell die hinteren Sitze umgeklappt, sodass zwei große Koffer und Handgepäck spielend Platz finden – perfekt für einen Wochenendausflug. Dabei sitzt man in stilvollem Interieur aus Leder und Carbon und darf sich über jede Menge Extras wie etwa Videobildschirmen auf den Kopfstützen für die Fondpassagagiere freuen. Der wohl praktischste Sportwagen aller Zeiten überzeugt mit Alltagstauglichkeit: Eine kongeniale Mischung aus Komfort, Kraft und Kofferraum – der Ferrari FF ist völlig anders als ich erwartet habe, und genau darin liegt der Reiz. Funny Fact: Der Ferrari FF wird von der Polizei in Dubai als Streifenwagen genutzt. Der Luxusschlitten mit Allradsystem ist so schnell, dass kein flüchtender Verbrecher auf den Wüstenautobahnen eine Chance hat. Tom Selleck alias Magnum wäre bestimmt neidisch.

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